Wie schafft man sich zusätzliche Arbeit…
7. Januar 2007 von
stefan.haubold
Dieses Wochenende hatte ich die gloreiche Idee mal ein neues Betriebssystem auf meinem Notebook zu installieren. Das hatte ich vorher schon einmal gemacht und sollte auch eigentlich kein großes Problem sein. (Die Zeit, die ich zum installieren verbrauche, steht meistens in keinem Verhältnis zur Zeit, die ich dann wirklich damit Arbeite)
Und diesmal hab ich es geschafft, den Durchschnitt noch einmal ordentlich nach oben zu drücken.
Nunja, das neue System sollte also dann den gleichen Platz einnehmen wie meine vorherige Ubuntu 6.10 (und davor Gentoo und davor schon einmal Ubuntu 6.06) Installation. Das neue System will ich aus verschiedenen Gründen nicht genau spezifizieren (Nein, nicht Vista).
Also erster Anlauf, DVD einlegen, Partition auswählen, neuformatieren, installieren, fertig. Dann neu gebootet -> Grub zerschossen (hätte ich mir auch denken können, da lagen wohl Teile in der Linux Partition). Einfache Lösung “fdisk /mbr”. Ja, kein Problem – Vorrausgesetzt man hat eine CD um in die Wiederherstellungskonsole zu kommen. Das ist bei einem IBM Lenovo Thinkpad T60p leider nicht gegeben. IBM hat einer (ansonsten sehr praktische) Recovery Partition aus der sich Backups der Hauseigenen Backupsoftware (kostenlos beim Notebook dabei) einspielen lassen oder alles auf den Auslieferungszustand zurück setzen lässt.
Nur extrem unpraktisch wenn man eine Recovery Console braucht. Booten einer anderen Windows XP CD brachte auch nichts, da der SATA Treiber nicht auf Diskette vorlag, geschweige denn, das das Thinkpad ein Diskettenlaufwerk hätte. Also andere Strategie überlegen. Ich hatte aus einer c’t noch eine Koppicillin CD, damit könnte man es ja mal versuchen. Also bei google gesucht ob es irgendein Tool auf der CD geben könnte das mir helfen würde. Und das gab es natürlich:
install-mbr /dev/sda
Half in meinem Fall. Also neugestartet und Windows lief wieder. Das andere System allerdings nicht. Außerdem viel mir auf, dass anscheinend die Recovery Partition irgendwie verloren gegangen ist. (Das ist der einzige Punkt den ich bis jetzt nicht so richtig nachvollziehen kann) Das wäre zwar kein Weltuntergang, aber schön wäre es trotzdem nicht. Also ab zu Google und nach Partitionsrettungsprogrammen gesucht.
Dabei bin ich dann auf TestDisk gestossen. Das Tool gibt es für so ziemlich jedes Betriebssystem und sollte mir später am Abend noch (doppelt) den Arsch retten. Mit TestDisk habe ich dann meine Festplatte analysiert und meine alte Recovery Partition wieder gefunden. Dabei habe ich dann auch gleich das neue System runtergeworfen und die Platte hatte nunmehr nur noch 2 Partitionen und 18GB freien Speicherplatz. Das Tool bietet auch die Möglichkeit eine Backup der Partitionstabelle anzufertigen, das habe ich dann auch gleich mal gemacht.
Auf zum zweiten Anlauf der eigentlichen Installation, DVD rein, booten, Partitionierungsprogramm gestartet und den freien Speicher ausgewählt. Neue Partition angelegt und auf “Partitionieren” geklickt. Daraufhin erscheint eine Warnmeldung “Die Partitionierung löscht alle Ihre Daten”, das ist dann wohl nicht der richtige Knopf. Also abbrechen. Das Tool nochmal angeschaut, die alten Partitionen als “gesperrt” markiert um dann nochmal auf den “Partitionieren”-Knopf zu drücken. Irgendwie habe ich keine andere Funktion gefunden die in meinen Augen das macht was ich wollte. Die Warnung wurde diesemal einfach ignoriert, ich hab ja auch meine alten Partitionen in dem Tool “gesperrt”. Prompt kommt eine Fehlermeldung und meine Festplatte wird ohne Partitionen angezeigt. Ups.
Reboot. Nix.
Mist. An dieser Stelle setzte dann eine leichte Panik ein.
Knoppicillin gestartet, TestDisk für Linux besorgt (die Version auf meiner CD war veraltet) und nach meinen verlorenen Partitionen gesucht, hat ja vorher auch geklappt. Findet nur leider NICHTS. (Panik vergrößert sich). Also an meinen Zweitrechner und die Dokumentation für TestDisk durchwühlt. Da gibt es dann einen Punkt, das Testdisk nur richtige Partitionen findet, wenn die Geometrie der Platte richtig eingestellt ist.. Tja. Nur wie war die richtige Geometrie. Die Geometrie als auch die Partitionierungstabelle habe ich ja eigentlich, nur leider in der kaputten Partition. Super.
Und nun fängt der Spaß an, wie finde ich auf einer ungemounteten Festplatte eine Zeichenkette.
An dieser Stelle muss ich noch erwähnen, dass ich seit einigen Wochen O&O Defrag auf meinem Notebook installiert habe, das Tool installiert zusätzlich einen Bildschirmschoner und defragmentiert dann automatisch im Hintergrund alle Dateien, dadurch ist meine Festplatte praktisch kaum fragmentiert. Neue Dateien werden also schön an einem Stück in den freien Speicher geschrieben. Ich glaube dadurch wurde mir zum zweiten mal der Arsch geretet. Den eine fragmentierte Textdatei zu finden wäre glaube ich unmöglich gewesen.
Wiederum einiges probieren später,zwischenzeitlich habe ich noch andere Tools zum Partitionen wiederfinden probiert – jedoch ohne Erfolg, hatte ich schließlich einen Weg gefunden wie ich die Festplatte durchsuchen konnte. Eigentlich relativ Simpel:
dd if=/dev/sda |egrep -A2 "GiB - CHS"
Das ganze funktionierte aber nur bis zu einem bestimmten Sektor (keine Ahnung warum, zwischen einzelnen Bootvorgängen änderte sich auch die Anzahl der Sektoren die man mit einem rutsch greppen konnte) , so dass ich per “skip=XYZ” den Start der Suche immer ein wenig weiter nach hinten schieben musste. Irgendwann habe ich dann tatsächlich die Logdatei gefunden. Puh. Das manuelle eingeben der Daten in TestDisk brachte mir dann schon einmal die Recovery Partition zurück. Die Haupt NTFS Partition war jetzt zwar in der Partitionstabelle eingetragen, mounten liess Sie sich aber nicht.
Im TestDisk gab es dann noch eine zusätzliche Option, die die NTFS Bootsektoren und die MFT wiederherstellen kann. Der Bootsektor war ebenfalls komplett mit 0 überschrieben worden. Nach dem ausführen dieser Option und dem setzen des richtigen Partitionstyps lies sich die NTFS Partition unter Linux wieder mounten. Booten lies sich das System allerdings noch immer nicht. An dieser Stelle war es dann aber auch 4 Uhr in der Nacht und mit der Gewissheit, dass meine Daten noch da sind ging ich dann schlafen.
Am nächsten Tag ging es nun darum, dass sich das System wieder booten lässt. Ich vermutete, dass der Bootsektor der NTFS Partition noch nicht richtig wiederhergestellt worden war. Am liebsten würde ich das mit den Tools der Windows Recovery CD bewerkstelligen. Also musste eine Lösung her, wie ich die SATA Treiber auf eine bootfähige Windows-CD bekomme.
Im ersten Anlauf versuchte ich eine Bart PE Windows CD, darüber hatte ich vor einiger Zeit bereits etwas in der c’T gelesen. Also Windows XP Cd rausgekramt, Bart PE inkl Service Pack 2 und SATA Treibern erstellt und gebootet. (Dieser extrem kurze Abriss hat ca 2-3 Stunden gedauert und beinhaltete mehrere Anläufe mit verschiedenen Service Packs und Treibern) Das ganze funktioniert dann auch sehr zuverlässig und nachdem ich auch noch die Treiber für die Intel E1000 Netzwerkkarte integriert hatte, habe ich erstmal die wichtigsten Dateien auf meinen Zweitrechner kopiert. An dieser Stelle ging ich den Tag dann schon etwas entspannter an.
Leider bietet die Bart PE Cd nicht die fixmbr und fixboot Tools von Microsoft. Und ein chkdsk ohne die /f Option (also nur lesender Zugriff) brachte mir soviele komische Fehler (Ungültige Sicherheitskennung für Datei..), dass ich kein Risiko eingehen wollte und an dieser Stelle erst einmal abgebrochen habe und lieber erst einmal einen Versuch mit der Wiederherstellungskonsole unternehmen wollte. Also wieder ins Internet und nach einem Programm gesucht, dass mir meine SATA Treiber in eine Windows XP Installations CD integriert. Nach dem anschauen und ausprobieren von ein paar Tools habe ich mich dann mit nLite endlich eine CD erstellt bekommen. Die Oberfläche ist sehr komfortabel und das Tool ist noch um einiges mächtiger, als ich für diese Aufgabe benötigte. Nun also die nächste CD erstellen: Original XP CD auf Festplatte kopieren, SP2 angeben (für Slipstreaming), Treiber angeben und dann baut nLite ein schönes ISO, das man dann auf eine CD brennt und damit den Zielrechner bootet.
Beim ersten Booten wollte die CD irgendwie nicht so richtig, beim zweiten Versuch kam ich dann endlich auf die Recovery Konsole und hab fixmbr und fixboot ausgeführt. Neugestartet und dann den ersten Freudenschrei des Tages von mir gegeben
Windows bootet. Ein paar Sekunden später meckert Windows natürlich die Festplatten an und startet Chkdsk. Dieser Screen blieb dann für die nächsten Stunden das einzige, das ich zu sehen bekam. Ungültige Sicherheitskennung für Datei.. ratterte für ca 240000 Dateien über den Bildschirm. Wenn man sich die, an dieser Stelle vollkommen unnütze, Ausgabe jeder einzelnen Datein gespart hätte, hätte es vermutlich nur halb so lange gedauert. Ich vermute inzwischen, dass das rumprobieren mit den NTFS Tools oder TestDisk auf der Knoppicillin CD mir irgendwas zerschossen hat. 5 Stunden später sah ich dann seit knapp 24h zum ersten mal wieder meinen Windows Desktop. Auf den ersten Blick sah alles normal aus, auf den zweiten Blick hat die Meldung von Chkdsk nicht zuviel versprochen. Einige Ordner haben alle ursprünglichen Nutzerrechte verloren und sind in den Besitz des Administrator Users übergegangen. So z.B. der Ordner meines Profils. Nunja, nichts, was sich nicht beheben lässt. Insgesamt werde ich mir in den nächsten Tagen aber überlegen, ob nicht ein guter Zeitpunkt für eine Neuinstallation gekommen ist. Natürlich nach einem ORDENTLICHEM Backup.
Was lernen wir daraus?
Technisch – ne Menge. In kurzer Zeit mal wieder ein haufen Tools benutzt und einige nützliche Dinge gelernt.
Praktisch - wie ich mich kenne nicht viel. Auch in Zukunft werde ich mir wohl mein Notebook mit dem ich täglich arbeiten muss mit irgendwelchem Zeug zumüllen. Und das Gefühl so ein Problem gelöst zu haben, bewirkt auch eher, dass man das nächste mal noch unbedarfter an irgendwelche Probleme herangeht. Schließlich weiss ich jetzt sogar wie man Partitionen wiederherstellt…
Tja, was ein gut ausgebildeter IT’ler so alles schafft….
PUH, hab ich ein Schwein gehabt.
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Kommentare (1)
März 8th, 2008 at 11:02
[...] dafür sorgen, daß praktisch ständig defragmentiert wird – jedenfalls mit NTFS. Ich meine mal gehört zu haben, daß es Filesysteme gibt, die in dieser Hinsicht so getrimmt sind, daß sie sich quasi im [...]